Die Sache mit den sozialen Netzwerken und den gläsernen Menschen

Zum Wochenende habe ich die Zeit gefunden etwas zu posten, was die letzten Tage einige (inklusive mir) beschäftigt hat. Ich meine nicht den durchgeknallten Norweger, dem sollte man keine Plattform bieten, egal wo.
Also: Was ich meine, ist der Umgang mit Daten in sozialen Netzwerken, sowohl von Seiten der Benutzer als auch von Seiten der Betreiber dieser Netzwerke.

Ich bin seit einer Woche Besitzer eines mit Android-OS betriebenen Smartphones. Ich habe lange Zeit darüber nachgedacht, ob ich das will oder nicht; also ein Android-Telefon. Letztlich habe ich mich dafür entschieden, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und Google ist relativ transparent, so scheint es jedenfalls. Ich habe dann auch die facebook-app installiert und auf synchronisieren gedrückt, um die Profil-Bilder als Kontakt-Bilder zu bekommen. So weit, so gut. Was mir nicht bewusst war, ist die Tatsache, dass facebook mein komplettes Telefonbuch auf deren Server kopiert, ohne mir das nochmal vorher zu sagen, geschweige denn mich um Erlaubnis zu fragen. Das finde ich doch arg fragwürdig.
Nun mögen manche einwenden: Stell dich nicht so an, du hast die AGB akzeptiert etc. Das stimmt fraglos, dennoch halte ich es für angebracht etwas mehr Transparenz an den Tag zu legen. Denn, ich gebe zu ich tue es selten, wer liest sich denn die ganzen AGB, sei es bei iTunes, facebook o.ä., komplett durch?

Ich merke, ich schweife etwas ab. Also zurück zum Titel des Eintrags. In den Online-Medien wird derzeit diskutiert, ob und teilweise sogar schon wann Google+ denn facebook überholt. Der letzte Stand ist 25 zu 750. Millionen. Für facebook wohlgemerkt. Ich bin der Auffassung, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Google+ das soziale Netzwerk wird. Warum? Nun ja, ich halte es für transparenter, leichter kontrollierbar (zugegeben, die beste Kontrolle über seine Daten hat man, wenn man gar nicht bei solchem Kram angemeldet ist), übersichtlicher (noch). Das kann sich alles ändern, wenn es erst einmal so groß ist, wie facebook jetzt schon ist.

Der Knackpunkt ist eben der Umgang mit Daten. Bei Google gibt es die Möglichkeit des Dashboards. Das Dashboard ist die Übersicht über das jeweilige Google-Konto und die jeweiligen Verknüpfungen mit den einzelnen Google-Anwendungen. Ich finde das ganz gut: An einer Stelle bekommt man den Überblick über das, was gespeichert ist, sofern man darauf vertraut, dass alles angegeben wird.

Bei facebook sieht die Sache allerdings anders aus. Dort machen die Betreiber einfach irgendwas (siehe oben, instant Werbung auf anderen Seiten, “Freunde” können mich an Orten markieren ohne, dass ich zustimmen muss etc.) OHNE die Nutzer darüber zu informieren, geschweige denn um Erlaubnis zu fragen. Ich finde das nicht gut. Klar, ich weiß, worauf ich mich einlasse, wenn ich mich da anmelde. Aber ich beschäftige mich auch damit. Ich kann aber nicht erwarten, dass das alle anderen 750 Millionen auch tun. Das ist das Problem und darauf spekuliert Herr Zuckerberg.

Damit komme ich zur Kehrseite: Auch die Nutzer sollten sich dessen bewusst sein, was sie wie und wann posten. Das Internet ist meiner Meinung nach ein großer öffentlicher Marktplatz geworden. Ein sehr großer. Da kann man sich daneben benehmen oder auch nicht. Man kann dabei entdeckt werden oder auch nicht. Jedenfalls ist es ein öffentlicher Raum und genau so sollte man das Internet mittlerweile begreifen. Wer seine Daten auf diesem Marktplatz an einer riesigen Pinnwand angeben möchte, der soll das gerne tun. Man sollte aber immer die Wahl haben, ob man das denn will oder nicht.

Übertreibe ich? Ist das alles gar nicht so schlimm? Vielleicht könnt ihr etwas dazu sagen.

5 Antworten zu Die Sache mit den sozialen Netzwerken und den gläsernen Menschen

  1. mauriziomolinari

    PS: Ab und zu http://www.123people.de/ besuchen und nach sich selbst suchen kann auch nicht schaden.

  2. welches handy haste dir geholt???

  3. Guter Beitrag. Endlich mal ein Facebooknutzer, der Dinge hinterfragt und sich mit dem Datenschutz auseinander setzt.

  4. Lieber Maurizio,
    Du übertreibst überhaupt nicht, es ist noch viel schlimmer……
    Die Systematik hat sich nicht geändert: Früher gab es ein Gewinnspiel, in dem einer ein Auto gewinnt und 500 Hoffende Ihre Adresse ihren Namen und Geburtstag auf der Teilnehmerkarte angegeben haben. Du hast Recht. Es hilft regelmässig die Frage zu stellen “Cui bono”.
    Du hast Recht – jeder der naiv an die Sache rangeht, kann negativ überrascht werden. Man muss sich informieren und immer wieder wichtig ist es vergegenwärtigen: was ich nicht verstehe, mache ich nicht! Leider beherzigen diesen Rat die meisten Leute nicht. Gemeindeverwaltungen schließen Verträge über Finanzinstrumente ab, die sie nicht verstehen; Kunden unterschreiben EC-Karten-Beleg,e ohne zu lesen, wass sie unterschreiben……

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